Was macht einen lebendigen Gärten aus?

Foto: Ruth Brosche, Ahnatal

Einführung oder Perspektivwechsel

Angesichts des Negativrekords bei der Vogelzählung 2018 schlägt der Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbundes Deutschland, Leif Miller, vor: „Jeder kann damit beginnen, seinen Garten als Mini-Naturschutzgebiet zu gestalten.“ https://www.wissenschaft.de/umwelt-natur/neue-negativrekorde-bei-gartenvoegeln/

Also wechseln wir die Perspektive und schauen, was unsere Gärten, Balkone etc. für Möglichkeiten bieten, unsere heimischen Insekten, Vögel und andere Tiere zu unterstützen.

Ein lebendiger Garten ist ein naturnaher Garten, der uns Menschen Freude macht, in dem wir Obst, Kräutern und Blumen anbauen und ernten können, der zur Entspannung und Geselligkeit einlädt und vieles mehr. 

Gleichzeitig ist ein lebendiger Garten aber auch ein Garten für Tiere und bietet diesen ganzjährig Nahrung und Schutz:

  • z.B. mit einer Wildsträucherhecke (siehe Punkt 3)
  • Beete mit Wildstauden oder anderen geeigneten Stauden bieten Pollen und Nektar für Wildbienen 
  • in Totholzecken gibt es Nahrung und Nistmöglichkeit für verschiedene Insekten
  • anstatt Rasen wird eine Blühmischung gesät
  • die Bepflanzung ist an den Standort angepasst
  • Stauden, Gräser etc. werden erst im Frühjahr geschnitten
  • Wilde Ecken dürfen sein
  • Gift wird nicht verwendet
  • und vieles mehr...

Mit diesen Maßnahmen verbessern wir das Nahrungsangebot für Insekten und Vögel.

Durch die Verwendung heimischer Einjähriger, Stauden und Gehölze (siehe Punkt 2) werden Insekten, Vögel und Kleintiere angezogen.

Es gibt vielfältige Möglichkeiten, den eigenen Garten lebendiger zu gestalten. So werden  Sie auf unserer Webseite einige Beispiele finden, bzw. zu Webseiten, Literatur und Broschüren von Experten verlinkt werden, wo Sie sich fachkundige Information holen können.

Mit einem naturnahen lebendigen Garten wird ein Lebensraum für viele geschaffen und auch ein Raum, der Naturerfahrungen für groß und klein bietet! 

Es gibt Hummeln und andere Wildbienen zu beobachten, Vögel bei der Aufzucht ihrer Brut und Nahrungssuche, Eidechsen in den Mauerritzen, Molche im Teich u.v.m.

Im folgenden finden Sie ganz Grundsätzliches, was einen lebendigen Garten ausmacht.

Konkretere Tipps erhalten Sie bei Jahreszeiten - was kann ich jetzt tun

1. Heimisch statt exotisch

Pflanzen Sie heimische Pflanzen und Sträucher, haben Sie weniger Arbeit, denn diese sind an das hiesige Klima angepasst und benötigen in der Regel wenig Pflege und keinen oder kaum Dünger. 

Gleichzeitig tun Sie etwas Gutes für die Insekten- und damit auch die Vogelwelt. Denn diese Tiere sind durch die Evolution an die heimische Gewächse angepasst, hier finden eine Vielzahl von ihnen Schutz und Nahrung.

Viele sind unkompliziert und wachsen auf unterschiedlichen Böden:

Wie wäre es bei den heimischen Stauden z.B. mit der unkomplizierten Fetthenne (Sedum telephium), der dekorativen Kugeldistel (Echinops ritro), der zarten, aber anspruchslosen Moschus-Malve (Malva moschata) oder der unermüdlich blühenden Roten Spornblume (Centranthus ruber)?

Bei den heimischen Sträuchern ist die gewöhnliche Felsenbirne (Amelanchier ovalis) zu empfehlen. Sie blüht wunderschön (da freuen sich die Bienen), die Beeren sind schmackhaft für Mensch und Tier und im Herbst gibt sie mit schöner Laubfärbung dem Garten ein "Indian Summer"-Feeling.

Empfehlenswert sind auch ein Haselnussstrauch (Carylus avellana) oder Holunderstrauch, wenn die Größe des Garten es erlauben.

 

Detaillierte Informationen finden Sie auf unserer Seite "Infos, Links, Broschüren und mehr".

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Königin der Gartenhummel an der Roten Taubnessel

Foto: Martin Herbst

www.garten-der-gruenspechte.de


2. Nahrung und Schutz für Tiere das      ganze Jahr über

Ein Garten, der Artenreichtum fördert, bietet das ganze Jahr über Nahrung und Schutzmöglichkeiten für Insekten, Vögel etc.

D.h. die Stauden und Gehölze sind so ausgewählt, dass möglichst ganzjährig etwas blüht oder fruchtet und damit Pollen, Nektar oder Beeren für Insekten und Vögel zu finden sind.

Hierbei z.B. besonders an Frühblüher wie Winterschneeball und Krokusse denken und an fruchttragende Sträucher wie z.B. Kornelkirsche, Holunder und Weißdorn. Diese sind eine der Hauptnahrungsquellen für Gartenvögel. 

Sträucher mit Dornen wie der Weißdorn oder die Schlehe bieten Vögeln darüber hinaus auch Schutz vor Katzen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Vögel benötigen im Herbst zuckerreiche Beeren wie z.B. Vogelbeeren, um Fettreserven für den Winter anzulegen.

 

Foto: Ruth Brosche, Ahnatal

3. "Jeder Quadratmeter zählt" oder "Vielfalt geht in der kleinsten Ecke"

Rotes Basilikum (Ocimum basilicum)                                                                                                                                          Foto: Maja Dumat - Flickr Commons (Creative Commons Licence Version 4)
Rotes Basilikum (Ocimum basilicum) Foto: Maja Dumat - Flickr Commons (Creative Commons Licence Version 4)

Es braucht keinen Garten, auch auf dem Balkon klappt es mit der Vielfalt:

Die beliebten gefüllten Geranien im Balkonkasten bringen weder Pollen noch Nektar. Dazu ein interessantes Interview mit dem Biologen und naturnahen Grünplaner Reinhard Witt zum Weiterlesen: geranien-sind-fuer-die-natur-absolut-nutzlos.html)

 

 

Wie wäre es statt dessen mit einer bunten Mischung aus blühenden Küchenkräutern wie Schnittlauch, Rosmarin, Thymian, Salbe, dann z.B. noch Kapuzinerkresse, Fächerblume, Verbenen, Vergissmeinnicht oder Männertreu dazu; da summt auch der Balkonkasten und sie können regelmäßig ernten.

Oder Sie lassen sich begeistern von heimischen Wildstauden und gestalten einen wilden Balkonkasten. Anbei eine hilfreiche Liste von Pflanzen, die sich auch in Töpfen wohlfühlen und Bienen, Hummeln, Schwefligen und Schmetterlingen Nahrung anbieten, : 

http://bluehende-landschaft.de/fix/doc/NBL-30_Liste_Bl%FChender_Balkonkasten-2016.pdf

 

Oder eine alte Schubkarre oder Zinkwanne wird als Schmetterlingsbeet mit Nektarpflanzen (z.B. für den Zitronenfalter), wie Krokussen, Huflattich, Wiesen-Flockenblume und Bartnelke bepflanzt. Eine andere vielleicht mit Raupenfutterpflanzen wie Fenchel und Heilwurz für den Schwalbenschwanz und Schwebfliegen. Damit locken Sie Schmetterlinge in den Garten.

Schwalbenschwanz

Foto: Bruno Hotz - Flickr Commons  (Creative Commons Licence Version 4.0)

Oder es wird vor dem Haus oder im Hof ein Hochbeet angelegt, das geht auch ohne direkten Erdkontakt im "Urban Gardening"-Style:


Heimat Hochbeet

Foto: La Laetti - Flickr Commons  (Creative Commons Licence Version 4.0)